Impact Investing – Impact und attraktive Renditen
Attraktive, risikobereinigte Marktrenditen zu erzielen und Nutzen für die Gesellschaft und die Umwelt zu schaffen galt lange Zeit als unvereinbar. Man war entweder ein philanthropischer Investor, der Impact über finanzielle Erträge stellte, oder ein „traditioneller” Investor, der risikobereinigte Marktrenditen anstrebte, und das mit oder ohne ESG-Erwägungen. Was wäre aber, wenn ein Investor beide Ziele erreichen könnte? Dies sollte das Ethos von Impact Investing sein: „Doing well, whilst doing good“.

- In den letzten Jahren hat sich Impact Investing rasant von einem Nischenphänomen in der Finanzlandschaft zu einer Mainstream-Anlagestrategie entwickelt, getrieben vom wachsenden Bewusstsein für Klimawandel, Umweltzerstörung und soziale Ungleichheiten sowie der Erkenntnis, dass im Interesse unserer Generation und nachfolgender Generationen dringend die „Notbremse“ gezogen werden muss.
- Diese Entwicklungen haben Impact Investing zuoberst auf die Agenda institutioneller Anleger gerückt.
Renditen und der gute Zweck
Eine Vielzahl grosser und kleiner institutioneller Anleger hat Impact-Strategien bereits in ihre Anlagestrategien integriert und eigene Impact-Allokationen verabschiedet. Der niederländische Pensionsfonds PGGM beispielsweise hat sich zum Ziel gesetzt, Rentnern gute Rentenleistungen in einer lebenswerten Welt’ zu liefern und rund EUR 53 Mrd. (bzw. 18 % des verwalteten Vermögens per Q4 2021) in Anlagen investiert, die mehrere der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (United Nations Sustainable Development Goals oder „SDGs“) unterstützen.
Die Liste institutioneller Investoren, die sich mit Impact-Themen befassen und im Bereich Impact eine Vorreiterrolle einnehmen wollen, wird immer länger. Allen ist allerdings gemein, dass sie als Treuhänder ihrer Kunden und Stakeholder vor allem beauftragt sind, ökonomische und finanzielle Ziele zu erreichen. Pensionseinrichtungen, Versicherungen und Staatsfonds müssen sowohl risikoadjustierte Marktrenditen erwirtschaften als auch den Ansprüchen ihrer Kunden und Stakeholder nach ökologisch und sozial verantwortlichem Handeln nachkommen. Mit anderen Worten: Finanzielle Erträge dürfen gesellschaftlichem und ökologischem Impact nicht zum Opfer fallen und andererseits darf gesellschaftlicher und ökologischer Impact bei Investitionsentscheidungen nicht außer Acht gelassen werden. Was lange Zeit ein Dilemma war, wird mit der fortschreitenden Entwicklung des Impact-Anlageuniversums zunehmend zur Synthese: Investitionen in Lösungen zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele ermöglichen es institutionellen Anlegern, ihr Vermögen gleichzeitig renditewirksam anzulegen und in aktuelle Impact-Themen und Geschäftsmodelle zu diversifizieren, die größtenteils vor Konjunkturabschwüngen geschützt und oft widerstandsfähiger gegenüber wirtschaftlichen Schocks sind. Impact Investing ist naturgemäß auf Sektoren fokussiert, die schnell wachsen und von Makrotrends unterstützt werden, wie digital unterstützte Bildungs- und Gesundheitsangebote, sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen oder Klimaschutzmaßnahmen. Ein Geschäftsmodell mit Impact ist damit auch ein Geschäftsmodell mit soliden Renditeaussichten, und Impact-Geschäftsmodelle sind nicht nur besser für Umwelt und Gesellschaft, sondern haben auch einen höheren finanziellen Wert.
Impact – nicht länger ein vages Versprechen
Impact-Investing hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Die Zeiten der Verwirrung über grundlegende Definitionen und Inhalte, zweifelhafte Praktiken und Bedenken hinsichtlich der Messbarkeit von Auswirkungen liegen zu einem guten Teil hinter uns. Heute wird Impact-Investing durch eine stetig wachsende Zahl von institutionalisierten Organisationen, standardisierten Rahmenbedingungen und Prinzipienkatalogen unterstützt, wie z. B. das Global Impact Investing Network (GIIN), IRIS+, die IFC Operating Principles on Impact Management, die SDGs der Vereinten Nationen, die Impact Management Plattform (IMP) sowie die zunehmende Regulierung durch Regierungen und Behörden wie die EU-Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzierungen (SFDR). Dies hat es Investoren und Managern ermöglicht, einen Konsens über die Definition und die Ziele von Impact zu finden und gleichzeitig Methoden zur Impact-Messung und zum Impact-Management herauszuarbeiten und kontinuierlich zu verbessern. Erhöhte Transparenz und detaillierte Reportinganforderungen ermöglichen den Vergleich von Branchen, Managern und Strategien und helfen bei der Bekämpfung von Greenwashing. Im Private Equity Impact Markt gibt es mittlerweile eine wachsende Anzahl an Impact-Fondsmanagern mit robusten Impact-Konzepten und soliden Track Records. Viele davon legen bereits Impact-Fonds der zweiten oder dritten Generation auf und können dementsprechend auf größere Datenmengen zugreifen und eine verbesserte Transparenz schaffen. So können heute die Geschäftsmodelle sowie die finanzielle Tragfähigkeit von Impact-Strategien besser belegt und nachgewiesen werden. Diese Fortschritte haben Marktbedingungen und eine Vertrauensbasis geschaffen, die es institutionellen Anlegern vereinfachen, in Impact-Lösungen zu investieren, was das Wachstum des Impact-Markts deutlich vorangetrieben hat.
Laut GIIN wurden 2020 schätzungsweise insgesamt USD 715 Mrd. in Impact-Strategien verwaltet, ein Anstieg um 42 % gegenüber USD 502 Mrd. im Jahr 2019. Laut Holon IQ wurde 2021 eine Rekordsumme von USD 37 Mrd. in Venture Climate Tech investiert, ein Anstieg von 60 % gegenüber USD 23 Mrd. im Jahr 2020 und USD 15 Mrd. im Jahr 2019. Im ersten Halbjahr 2022 wurde mit USD 27 Mrd. ein neuer Rekord aufgestellt, und für 2022 wird erwartet, dass mehr als USD 40 Mrd. an Finanzmitteln in Impact-Themen fließen werden. Im Jahr 2021 wurde zum ersten Mal mehr als eine halbe Billion grüner Anleihen ausgegeben. Die International Finance Corporation (IFC) schätzt den Bedarf an Impact-Investitionen auf bis zu USD 26 Bio., davon USD 21 Bio. in Aktien und Anleihen und USD 5 Bio. in Privatmarktstrategien.
Obwohl das Impact-Investitionsvolumen zugenommen hat, reicht es noch lange nicht aus, um den Klimawandel zu bekämpfen. Trotz der verstärkten Einbindung der UN SDGs in die Anlagestrategien von Finanzmarktteilnehmern klafft nach wie vor eine riesige Finanzierungslücke von USD 4.2 Bio. pro Jahr, um die Klimaziele zu erreichen. Institutionelle Investoren sind daher aufgerufen, gezielt Klimaziele, Umweltziele, aber auch gesellschaftliche Ziele zu fördern, um die Welt zu schaffen, in der wir und nachfolgende Generationen leben können und wollen.
Attraktive Opportunitäten
Auch wenn der Kapitalbedarf zur Schließung der Finanzierungslücke überwältigend groß erscheint, sollte er im Kontext der enormen Investitionsmöglichkeiten betrachtet werden, die sich aus Makrotrends wie gesundes Leben, finanzielle Inklusion, bessere und lebenslange Bildung sowie innovative Lösungen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Verringerung von Umweltschäden ergeben.
Die in den kommenden Jahrzehnten erforderliche globale Dekarbonisierung wird Investitionsmöglichkeiten im Climate Tech-Sektor bieten, die mit jenen zu Beginn der Internetrevolution vergleichbar sind. Gemäß dem PwC-Bericht „State of Climate Tech 2021“ boomen Investitionen in Climate Tech: Im Beobachtungszeitraum des Reports von zwölf Monaten beliefen sich diese auf insgesamt USD 87,5 Mrd. und machen mittlerweile 14 % der Risikokapitalinvestitionen aus. Allerdings ist das investierte Kapital derzeit unverhältnismäßig stark auf Climate Tech-Bereiche mit einem geringeren Gesamtemissionsreduktionspotenzial (Emission Reduction Potential oder „ERP“) ausgerichtet, während effektivere Technologien unterfinanziert sind. Beispielsweise haben im Analysezeitraum von 2013 bis H1 2021 leichte, batteriebetriebene E-Fahrzeuge mehr als 60 % der gesamten Finanzmittel erhalten, machen aber nur 3 % des gesamten ERP aus, und während die Mikromobilität nur 0,4 % des ERP ausmacht, hat diese 9 % der Finanzmittel erhalten. Im Gegensatz dazu bleiben Technologiebereiche mit einem hohem ERP wie Solarund Windenergie, grüne Wasserstoffproduktion, Technologien zur nachhaltigen Nahrungsmittelerzeugung und Vermeidung von Nahrungsmittelverschwendung sowie Entwicklung von alternativen Lebensmitteln relativ unterfinanziert. Obwohl diese Technologien 81 % des kumulierten ERP bis 2050 ausmachen werden, haben sie laut PwC seit 2013 nur 25 % der gesamten Investitionsmittel erhalten.
Vor allem die grüne Wasserstoffproduktion und Lebensmitteltechnologien hinken in Bezug auf Innovationen in Forschung und Entwicklung hinterher. Hier spielen institutionelle Anleger eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, die Verbreitung dieser Technologien voranzutreiben, wie dies im Bereich der erneuerbaren Energien bereits der Fall ist. Die Kosten für erneuerbare Energien sind bereits stetig gesunken, die Länder sind bestrebt, ihre Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern und Regierungen, Unternehmen und Verbraucher fokussieren sich zunehmend auf nachhaltige Energieproduktion.
Auch im Gesundheitsbereich bieten sich zahlreiche Möglichkeiten für Impact-Investitionen. 2021 flossen Rekordmittel in Höhe von mehr als USD 46 Mrd. in Bereiche wie erschwingliche (digitale) Gesundheitsversorgung sowie telemedizinische Geräte. Auch im Bildungssektor gibt es ein breites Spektrum von Impact-Investitionsmöglichkeiten, um möglichst vielen Menschen Zugang zu qualitativer Bildung und lebenslangem Lernen zu ermöglichen, sodass sie am Arbeitsmarkt teilnehmen und ökonomische wie gesellschaftliche Integration und Fortschritt erleben können. Im Jahr 2021 verzeichnete der Sektor Bildungstechnologie (EdTech), der Lösungen wie virtuelle Klassenzimmer, Lern-Apps und Nachhilfeunterricht anbietet, mehr als USD 20 Mrd. an Investitionen.
Die Zeit ist reif
Das rasante Wachstum des Impact-Marktes in jüngster Zeit zeigt, mit welcher Zuversicht und Überzeugung die Anleger heute ihr Kapital in Impact-Strategien investieren. Das schnelle Wachstum des weltweit verwalteten Impact-Vermögens ist zwar ein ermutigendes Signal für die Zukunft von Impact-Investitionen, dennoch kratzen wir weiterhin lediglich an der Oberfläche: Es wird mehr Kapital von institutionellen Anlegern benötigt, um die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern und soziale Ungleichheiten zu beseitigen. Im Gegenzug erfordert die Aufstockung des institutionellen Kapitals den weiteren Ausbau des Angebots attraktiver Impact-Investitionsstrategien und Fonds, die auf institutionelle Anleger zugeschnitten sind. Der Impact-Privatmarkt und das Universum attraktiver Private Equity Impact-Fonds und -Manager wachsen stetig und bieten Anlegern Zugang zu qualitativ hochwertigen Anlagemöglichkeiten mit klar definiertem und messbarem Impact, und das nicht nur in Schwellenländern, sondern vor allem auch in den Industrieländern und damit vor unserer Haustür. Somit ist das einst ferne Versprechen „Doing well, whilst doing good“ in greifbare Nähe gerückt.

